Standpunkt: Leichenfledderei

Politik | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Seine Freunde kann man sich offensichtlich nicht aussuchen. Vor allem, wenn man schon tot ist. "1997 stirbt Viktor Frankl. Einer der ganz Großen dieser Welt", steht in der neuen Hochglanzbroschüre "Jörg Haiders FPÖ 1986 bis 2001" über den Begründer der Logotherapie. "Und ein enger persönlicher Freund Jörg Haiders." Dabei hat die Familie Frankl die Fakten längst klargestellt: Mitte der Neunzigerjahre trafen Haider und Frankl zweimal bei Abendessen aufeinander. Einmal verspürte Frankl Herzschmerzen, Haider stellte ihm seinen Wagen für die Fahrt ins Krankenhaus zur Verfügung und wartete noch einige Stunden auf dem Gang. Durchaus anständig. Daraus jedoch eine enge Freundschaft abzuleiten, dagegen hat sich Frankl noch zu Lebzeiten verwehrt. Aber mit der Wahrheit nimmt es die Jubelbroschüre auch sonst nicht so genau. Gleich auf den ersten Seiten taucht ein bekanntes Foto - besser: Fotomontage - vom FPÖ-Wahlkampfabschluss am 1. Oktober 1999 wieder auf. Im Photoshop wurden aus "1938 Gründe gegen Jörg Haider" auf einem Transparent "1938 Gründe für Jörg Haider". Da kann mansich dann auch vorstellen, wie sehr Haider mit einem weiteren "Großen" wirklich "auf Du und Du" ist, dessen Namen die Freiheitliche Akademie nicht einmal schreiben kann: dem "Dalei Lama".E.W.


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