Durchs gewendete Wien

Ein Jahr Wende. Wie wild war die Wende? Wer hat verloren und wer reibt sich die Hände? Und wie sehen Wendehälse aus? Eine Erkundungstour.

Politik | Florian Klenk, Nina Weissensteiner (Text) und Felicitas Kruse(Fotos) | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Vielleicht sollte man den Rundgang beim Cafe Prückel beginnen. Letztes Jahr schaute dort ein Mann oft aus dem Fenster. Er hatte seinen Arbeitsplatz gegen einen Platz im Kaffeehaus austauschen müssen. An sich nichts Ungewöhnliches. Gekündigt wird heute bald jemand. Trotzdem wurde der Mann im Cafe zum Symbol, konnte plötzlich jene bestätigen, die sich schon immer vor einer politischen Wende existenziell gefürchtet haben.

Ein Opfer Der Journalist Gerhard Marschall ist im vergangenen Jahr sehr oft im Prückel am Stubenring gesessen. Ausgerechnet am 4. Februar 2000, um 12 Uhr, während die neue Regierung durch einen unterirdischen Gang zum Präsidenten eilte, "hatte ich meinen persönlichen Canossagang über die Linzer Promenade", erinnert sich Marschall. Der lang gediente und Haider-kritische Innenpolitik-Redakteur der Oberösterreichischen Nachrichten wurde zu seinem Herausgeber zitiert. Ohne Vorwarnung musste er die Formalitäten seines Abganges besprechen. Begründung des Chefredakteurs:


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