Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Sind Sie Mutter? Ist Ihr Kind gerade mitten in der Pubertät, hat es vielleicht sogar einen eigenen Willen, den es - Gott bewahre - gegen den Ihren durchsetzen will? Finden Sie Ihr Kind deshalb auch gleich zum Verzweifeln? Ja? - Dann gibt es im Ensemble Theater ein Stück, das Ihnen gefallen könnte: "Anonyme Jüdische Mütter". Bekanntlich gelten jüdische Mütter als die Übermütter schlechthin, mithin ein Grund, um nach dem Vorbild amerikanischer Selbsthilfegruppen eine solche auch für die geplagten Mütter ins Leben zu rufen. Mit einer Hymne und strengen Ritualen bringen vier Mütter (zwei echte jüdische, eine katholische, eine feministische) und der Pianist ("Ich bin auch eine Mutter") den Generationenkonflikt als Revue auf die Bühne. Die erste Hälfte des Abends vergeht mit Musik und Anekdoten über Familienzwiste, bei denen Außenstehende ja immer etwas zu lachen haben, noch recht kurzweilig. Nach der Pause werden die Episoden immer dünner, es wird aber trotzdem munter weitergemacht. Werden halt alte Schlager und neue Hits auf Jiddisch gesungen - auch das ist als Beitrag zum Generationenverständnis gedacht. Gut gemeint, aber für alle, die nicht (jüdische) Mütter sind - erkennbar daran, dass sie regelmäßig auf die Uhr schauen, das eine über das andere Bein schlagen und umgekehrt, die Arme überkreuzen oder die Haarspitzen zwirbeln - wird es zu viel des Guten.

Ähnlichen Ritualen der Langeweile begegnet man auch im Zuschauerraum des dietheater Konzerthaus, wo Szenen aus dem Trojanischen Krieg unter dem Titel "Ilias oder der Zorn des Achill" montiert wurden. In sechs Stationen mimt der Erzähler (Hubertus Zorell) unterschiedliche Figuren und schildert aus der jeweiligen Perspektive Begegnungen mit Achill, der als Prototyp eines antiken Helden im Zentrum des Stückes steht. Eine an sich beeindruckende Performance, würde der Erzähler nicht von einem Objekttheater begleitet, das viel Lärm macht, ohne dabei zu vermitteln, wozu genau es eigentlich gut sein soll.


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