Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Manche Geschichten sind derart verfahren, dass am Ende höhere Gewalt der einzige Ausweg ist. Im vorliegenden Fall etwa, Robert Altmans "Dr. T & The Women", braucht es (buchstäblich) ein Donnerwetter, ehe die Protagonisten mit ihren Gefühlen ins Reine kommen und sich all die langmächtig entwickelten Konflikte plötzlich in Wohlgefallen auflösen. Nun ja, so etwas nennt man Farce, und in einer Farce ist beinahe alles erlaubt. Sogar in Texas. Ebendort ordiniert Travis Sullivan, kurz "Dr. T" genannt, ein Gynäkologe, der nicht nur mit den höheren Müttern und Töchtern von Dallas, sondern auch der eigenen Familie seine liebe Not hat. Die ältere seiner zwei Töchter heiratet, die jüngere wittert überall Verschwörungen, seine Frau leidet am so genannten Hestia-Syndrom und regrediert unaufhaltsam zum Kind.

Der Film, sagt Altman, sei eine Art "Liebeserklärung an die Frauen in Dallas". Dennoch gilt sein ganzes Interesse der männlichen Hauptfigur Dr. T (ausgestattet mit dem ergrauten Charme von Richard Gere), wohingegen die Frauen - Farrah Fawcett, Laura Dern, Kate Hudson, Tara Reid - lediglich verschiedene Formen von "Hysterie" repräsentieren. Und auch Helen Hunt, als love interest des Helden besetzt, hat einmal mehr nur eine Wurzenrolle. Da und dort, an der malerischen Qualität einzelner Bilder und der Choreographie mancher Plansequenz, kann man Altmans frühere Handschrift noch erkennen, aber das ist schon alles - und wirklich nicht genug.

Empfehlung für Kurzentschlossene: das Überraschungsprogramm "5 x 10" am 25.1., 20 Uhr, in der Medienwerkstatt Wien. Fünf Personen, u.a. Manfred Neuwirth, Lisl Ponger und Falter-Filmkritiker Drehli Robnik, zeigen und kommentieren jeweils zehn Minuten eines ihrer Lieblingsfilme.


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