Ästhetische Säuberungen

Kunst. Die Ausstellung "Dossier Serbien" zeigt einen Querschnitt durch die Belgrader Kunst, bei der die Grenzen zwischen Politik und Ästhetik fließend sind.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Der Mann im Liegestuhl am Becken des Hallenschwimmbads studiert das Display seines Handys. Vielleicht tippt er gerade ein SMS an seine Redaktion ("Gibts neue Treffer?") oder ganz privat ("Cocktails im Hyatt pfui!"). Die 30-jährige Künstlerin Vesna Pavlovic' hat während der NATO-Bombardements im Frühjahr 1999 eine Fotoserie im Hotel Hyatt geknipst. Dort waren viele Auslandskorrespondenten untergebracht, die "live aus Belgrad" berichteten, deren Wirklichkeit jedoch mitunter auf Pressekonferenzen und einen Blick aus dem Fenster beschränkt war.

"Einschätzung der Wirklichkeit der Neunzigerjahre" nennt sich die vom Belgrader "Zentrum für kulturelle Dekontamination" und von der Berliner Heinrich-Böll-Stiftung zusammengestellte Ausstellung. "Es ist an der Zeit, zur Sichtbarkeit zurückzukehren und Normalität wiederherzustellen", sagt der Belgrader Künstler Branko Pavic'. "Für mich war es keine verlorene Zeit, denn ich habe das gemacht, was ich machen wollte. Ich habe auf die Situation


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