Nüchtern betrachtet: Wer Schuhe putzt, hat mehr vom Leben

Kultur | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Auf der Richterskala der Haushaltsarbeiten rangiert das glamourarme Schuheputzen irgendwo im Mittelfeld. Bei allem, was man dagegen sagen kann, muss man dieser Tätigkeit zugute halten, dass etwas weitergeht: Der Dreck verlagert sich vom Objekt (Schuh) auf das Subjekt (Schuhputzer), das sich anschließend die Hände waschen muss, was auch wiederum recht zufrieden stellend ist, weil der Schmutz die Seifenlauge einfärbt. Im Unterschied zu Geschirrabtrocknen oder Unterhosenbügeln greift Schuheputzen in den Stoffwechsel des Kosmos ein, indem es Dreck verlagert (dass die Gesamtmenge des Drecks natürlich konstant bleibt, wissen wir aus dem Physikunterricht). Auch arbeitstechnisch ist das Schuheputzen nicht uninteressant, weil man es entweder klassisch fordistisch oder nach dem Volvo-Prinzip betreiben kann: Im ersten Falle wird zunächst kotgebürstet, dann eingecremt und dann glanzgebürstet; im zweiten Falle wird jeweils ein einzelnes Paar komplett gereinigt, bevor man sich ans nächste macht.


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