Stadtrand: Es drückt der Schuh

Stadtleben | aus FALTER 04/01 vom 24.01.2001

Im Winter ist das Leben zumindest doppelt und dreifach so schwer: Nicht nur, dass der Mensch an sich geschunden und herumgebeutelt wird, der Winter -sprich: die einzig schneefreie und ansonsten nur saukalte Zeit des Jahres - hat es hauptsächlich auf die Extremitäten des Menschen abgesehen.

Hände und Füße wollen sich einstülpen, unter der männlichen Gürtellinie schrumpelt es schmerzlich (die eine Extremität), die Nase ist nur mehr ein gefühlloses, knallig rotes Trumm.

Der Mensch an sich und seine Fortsätze lieben den Winter nicht.

Alle menschlichen Wesen? Obacht, Ausnahme: unsere Hausmeister. Die streuen wild entschlossen, Wurscht ob es schneit oder, wie eigentlich immer, nur grimmig kalt ist, ganze Kiesladungen aus. Heißa, dorthin noch eine Batterie Kies, hier fehlt auch noch zumindest eine handverlesene Prise Geröll.

Den ganzen lieben langen Winter hindurch knirscht es ohrenbetäubend auf den Straßen, in den Wohnungen sind Schaufel und Spaten vonnöten, um der in der Schuhsohle verklemmten Steinwüste doch noch irgendwie Herr zu werden.

Nicht zu vergessen: der Kies im Schuh. Der Hausmeister an sich hätschelt den Winter, uns drückt enorm der Schuh.

Ach, im Winter ist das Leben mindestens elfeinhalbmal so schwer. Wo.P.


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