Vor 20 Jahren im Falter

... kündigten wir unter dem Titel "Revolution des Alltags oder was unser Parteivater erlebte, als er noch ein Parteisohn war" eine Ausstellung über Bruno Kreisky an.

Vorwort | aus FALTER 05/01 vom 31.01.2001

Ihm, dem Vater, Bruno Kreisky, ist eine Ausstellung gewidmet, die sich mit allen Aspekten des Alltags auseinander setzt, wie ihn die Sozialdemokratie als Enklave im Staat der Zwanzigerjahre zu gestalten versuchte. Der Klassenstandpunkt sollte nach den Vorstellungen der Austromarxisten "das gesamte Leben der Menschen erfassen und aus diesem nichts ausgrenzen" (Pfoser). Einerseits kämpft man für soziale Verbesserungen der Lage der Arbeiter, andererseits war es ein Kulturkampf nicht nur für Nüchternheit, Selbstbewusstsein, Sauberkeit, Körperfreude, sondern auch gegen eine Reaktion, die es zum Beispiel nicht zulassen wollte, dass Ehen geschieden werden. Es kam zu grotesken Situationen, etwa wenn in einigen politischen Bezirken Sozialdemokraten amtierten, die Ehen schieden, während im Nachbarbezirk nach wie vor die Ehe als unauflöslich galt. Der Kulturkampf war auch ein Kampf gegen die Zensur. Ein Film wie der nach Remarques "Im Westen nichts Neues" wurde 1931 vom Innenminister verboten.

Die Spannweite der Arbeiterkultur, von den Massenveranstaltungen über die Arbeiterbüchereien bis zur Freikörperkultur, kann hier also nur in Momentaufnahmen wiedergegeben werden. Textzitate und Bilder sollen zum Besuch der Ausstellung anregen.

Denn die ist - was immer man von millionenteuren Geburtstagsgeschenken halten mag, sicher sehenswert (auch aus anderen Gründen, siehe "Wienzeug"). Man könnte geradezu von einer Königsidee sprechen, womit wir uns aber endgültig vom Anlass abwenden wollen.

Ort der Ausstellung ist eine behutsam hergerichtete Remise in Meidling (12., Koppreitergasse 5 / Philadelphiabrücke), in der sich auch ein Theater und ein Kinosaal befinden, in denen für die Dauer der Ausstellung Filme, Lesungen und Theaterstücke vorgeführt werden.


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