Nur für Weiße!

Rassismus. Im "Schweden-Espresso" in der Innenstadt werden dunkelhäutige Menschen nicht bedient.

Politik | Florian Klnk | aus FALTER 05/01 vom 31.01.2001

Eigentlich wollte Usama Omar nur einen Frühstückskaffee trinken. Doch die Kellnerin hat es plötzlich eilig: "Bitte gehen Sie, der Tisch ist reserviert", fordert sie ihn zum Gehen auf. Omar verlässt das Lokal. Am nächsten Morgen kommt er wieder. Die Kellnerin wird deutlicher: "Es tut mir leid, ich darf Sie hier nicht bedienen!" Omar wird unsicher: "Hab ich etwas falsch gemacht?" "Nein", meint die Kellnerin: "Der Geschäftsführer mag keine Schwarzen, die werden hier nicht bedient."

Johannesburg 1980? Nein: Wien 2001. Dunkelhäutige Menschen, die im Espresso in der Laurenzerberggasse 5 einen Kaffee trinken wollen, machen eine seltsame Erfahrung. Sie werden nicht bedient.Die Kellnerin des Espressos streitet den Vorfall nicht ab: "Ich darf Ihnen dazu keine Auskunft geben", versichert sie. Man solle doch den Chef, Gerhard M., anrufen. Doch der war für den Falter trotz mehrfacher Anfragen nicht zu erreichen.

Bei Anti-Rassismus-Organisationen ist das Lokal einschlägig bekannt. Bereits vergangenes Jahr beschwerten sich Menschen über die Umtriebe des Geschäftsführers, der kleine Braune nur für "echte Österreicher" braut. Usama Omar hatte noch am selben Tag Anzeige erstattet. Mehr als eine Verwaltungsstrafe wird nicht herausschauen.

Noch immer fehlt in Österreich ein scharfes Antidiskriminierungsgesetz, das solche Rassismen verhindert. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo rassistische Unternehmen mit harten Strafen, Lizenzentzug und Schadenersatz verfolgt werden können, sind österreichische Behörden nahezu machtlos.

Immerhin: Am Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte wird bereits an einem modernen Antidiskriminierungsgesetz gebastelt. Fehlt nur noch der politische Wille, es auch zu beschließen.


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