Kommentar: Museen: Ein spätbürgerliches Trauerspiel

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 05/01 vom 31.01.2001

Klara hat ein Problem. Sie hatte Sex mit dem ungeliebten Verlobten, der sie aus kalter Berechnung verlässt. Nun hat sie Angst, dass den von Schicksalsschlägen geprüften Vater, Meister Anton, vor lauter Schande der Schlag trifft.

Ein spätbürgerliches Trauerspiel a la Hebbels "Maria Magdalena" spielt sich derzeit in der österreichischen Museumslandschaft ab. Die Personen und ihre Darsteller: Lorand Hegyi, Noch-Direktor des Museums Moderner Kunst (MMK) in der Rolle der verführten Klara (kann wahlweise auch von MAK-Direktor Peter Noever besetzt werden); Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder in der Rolle des Mitgiftjägers; und Vater Staat als Meister Anton.

Den Hintergrund für die neue Fassung der Tragödie aber bildet nicht der Ehrenkodex einer Handwerkszunft, sondern die Umstellung der staatlich subventionierten Museen auf privatwirtschaftliche Standards, die - seit Jahren geplant - nunmehr ökonomische Realität wird. Die Schwäche der behutsam modernisierten Adaption liegt darin,


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