Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 05/01 vom 31.01.2001

Wer bei der Gruppe Drama Wien vor allem an skurrile Episoden rund um extreme Gefühle und alltägliche Befindlichkeiten denkt, kommt in der neuen Produktion "massiv - Steine sind flüchtig. Ein Härtetest" im Odeon nicht auf seine Kosten. Ela Rubin und Helmut Bohatsch haben sich diesmal in einen harten Brocken verbissen: Sie haben österreichische Autoren und Autorinnen aufgefordert, Texte rund um das Thema "Steine" zu schreiben. 27 haben geantwortet und Textsplitter unterschiedlichster Qualität beigesteuert, die sich als wahre Stolpersteine erweisen: Von witzigen Szenen mit singenden Kühlschränken und versteinerten Meerschweinchen (Karl Ferdinand Kratzl), munteren Sprachspielereien rund um Verstaubtes (Franzobel) bis hin zu mühlsteinschwerer Lyrik und schroffen Textfelsen, die sich zum Steineerweichen anhören, wird versucht, Unvereinbares zu vereinen: ein Härtetest für alle Beteiligten.

Feucht-fröhlich geht es stattdessen in der Burgtheater-Spielstätte im Kasino zu, wo frei nach der Umtata-Klamottenkiste "Heimatlos" von Reinhard P. Gruber (Text) und Anton Prestele (Musik) eine "Steirische Heimatrevue" zusammengestellt wurde. Das Beste an der Aufführung sind die Musik - mit Verve stapfen die Musiker durch das Geschehen, der Spaß an der Sache ist ihnen echt anzumerken - und das Bühnenbild: Thomas Dreißigacker stellt die gelungene Parodie eines Dorfwirtshauses aus den Siebzigerjahren in eine Landschaft aus Pappkühen und -tannen. Doch was sich in der dunkelbraun furnierten Wirtsstube rund um die Resopaltische abspielt, wirkt seltsam steif. Die Szenen scheinen auseinander zu fallen, als ob Regisseur Joachim Lux im Grunde wenig mit der handfest blutrünstigen Vorlage der Liebesdramen rund um eine dralle Kellnerin und der hinterwäldlerischen Tristesse anfangen konnte. Obwohl Michael Schottenberg sich als Erzähler ins Zeug legt, um einen Rhythmus vorzugeben, geht der Inszenierung immer wieder der Atem aus.


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