Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 05/01 vom 31.01.2001

Benoit Jacquot, der mit seinen Filmen "Der Siebte Himmel" (1997) und "Schule des Begehrens" (1998) zuletzt auch hierzulande in den Kinos vertreten war, gilt als Spezialist für außergewöhnliche Frauenporträts. "Sade", seine jüngste Arbeit, widmet sich dem Marquis de Sade (1740-1814), allerdings weniger der historischen Figur, dem "diabolischen" Nihilisten, als vielmehr dem sympathisch provokanten Verführer. Die Frauen, das versteht sich von selbst, lieben den alternden Libertin, dargestellt von Daniel Auteuil. Der Film, gedreht nach Serge Bramlys Roman "La terreur du boudoir", spielt inmitten der revolutionären Wirren des Jahres 1789, die der Marquis und ein paar weitere Aristokraten in der Abgeschiedenheit eines Sanatoriums erleben. So auch die junge unschuldige Emilie (Isild Le Besco), die freilich nicht nur das Interesse des Marquis auf sich zieht, sondern auch das des Regisseurs. Schließlich ist auch "Sade" wieder ein typischer Jacquot-Film geworden, soll heißen: ein Frauenporträt (vor allem für Männer).

Letzteres könnte man, hieße der Regisseur nicht Jean-Pierre Melville, auch von "Le cercle rouge" behaupten: ein Gangsterfilm aus dem Jahr 1970, der jetzt, in einer neuen und neu untertitelten Kopie, endlich wieder im Kino zu sehen ist. Die Inszenierung ist so karg wie sonst nur die Bressons; und die Geschichte rund um einen gerade erst aus der Haft entlassenen Verbrecher nimmt so unausweichlich ihren Lauf wie in einer griechischen Tragödie ... Die Hauptrollen spielen Yves Montand, Alain Delon, Gian Maria Volonte und, als Kommissar einmal forsch gegen den Strich besetzt, Andre Bourvil. Einer der ewigen Klassiker des Genres (und mehr als das).


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