Uns bleibt immer noch Paris

Theater. Andreas Kriegenburg inszeniert im Akademietheater den siebenstündigen Marathon "!Revolution!", aber angesagte Revolutionen finden nicht statt.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 05/01 vom 31.01.2001

Wenn vor dem Theater eine Gulaschkanone in Position gebracht wird, ist Vorsicht geboten. Die Gulaschkanone nämlich ist, wie alles im Theater, ein Zeichen - und es verheißt in diesem Fall selten Gutes: Die Gulaschkanone steht im Theater für "Spektakel" und "Marathon". Unter dem unkonventionell interpunktierten Titel "!Revolution!" hatte am Wochenende im Akademietheater ein siebenstündiges "Revolutionsspektakel" Premiere. Auf der Bühne werden zwei abendfüllende Stücke aufgeführt, in der großen Pause werden kabarettistische Einlagen geboten, und in einem kleinen Zelt vor dem Eingang wird, richtig, Gulasch ausgegeben.

Send in the Pausenclowns! In der Portiersloge sitzen Revolutionspromis wie Danton, Lenin oder Castro und grölen "Devil in Disguise", im Parterre wird gesungen, in den Ranggarderoben kann man sich als Revolutionär fotografieren lassen oder Camille Desmoulins mit einem Theaterdolch erstechen. Das alles ist so lieblos und oberflächlich geraten, dass es sich um einen Marketingtrick


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