Standpunkt: Begriffsverwirrung

Politik | aus FALTER 06/01 vom 07.02.2001

Wenn Kanzler und Vizekanzlerinmit anderen Menschen an einem öffentlichen Ort zusammentreffen, können sie nicht widerstehen: ein Schulterschluss muss her. Diesmal nicht mit der Opposition, sondern mit den Journalisten. "Viele Kritik im Ausland hat ihren Ausgangspunkt in Österreich gehabt", dozierte Kanzler Wolfgang Schüsselvergangenen Sonntag im WM-Ort St. Anton in der ORF-Sendung "Betrifft"und packte die Gelegenheitbeim Schopf, um bei den anwesenden Journalisten "Einsicht", "Kraft zum Positiven" und "Mitarbeit an Visionen" "einmahnen" zu können: Gerade wegen der Erfahrungen im Vorjahr sei der Job des Journalistenmit "Verantwortung verbunden, weil ein Bild unserer Heimat gezeichnet wurde, das ich persönlich sehr fremd finde". Sätze, die auf eine Begriffsverwirrung schließen lassen, an der Schüssel offenbar leidet. Deshalb zur Aufklärung: Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, die "Heimat" in den rosigstenFarben darzustellen; dafür gibt es den Tourismusverband. Und um die Vermarktung der Regierung sollen sich ihre Pressesekretäre kümmern, keinesfalls aber die Medien. Leider schien es, als hätten sich deren Vertreter in "Betrifft" vom nationalen Taumel in St. Anton etwas anstecken lassen. Die Wörter, die am häufigsten fielen: "d'accord" und "einig". G. J.


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