Im Vollrausch

Drogen. Boulevard und Politik haben es geschafft: Nach spektakulären Unfällen mit "Drogenlenkern" beginnt die Demontage des liberalen Drogenstrafrechts. Neues Motto: "Härte, wem Härte gebührt". Auf der Strecke bleiben Kranke und das aufgeklärte Strafrecht.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 06/01 vom 07.02.2001

So hat man ihn sich vorgestellt, den "Drogenlenker". Lange Haare,ungepflegter Schnurrbart, abgetragener Anzug. Als sich der Lastwagenfahrer Herbert R. vergangenen Montagauf die Beschuldigtenbank des Grauen Hauses setzte, wälzten sich manche Fotografen vor ihm sogar auf dem Boden. Um von unten in sein Gesicht blitzen zu können. "Ein Mörder am Volant" mit "offensichtlichem Charaktermangel", bei dem "Milde verfehlt ist": So charakterisiert ihn der Staatsanwalt, wobei er ein bisschen zu oft zu den Journalisten blickt. Auch die Krone stellte wieder einmal den Medienpranger in die Zeitungslandschaft: "Ich hoffe, dass diese Bestie ihr ganzes Leben im Gefängnis bleibt", zitierte das Blatt die weinende Frau eines der drei Opfer. "Vollgepumpt mit Heroin" sei der Lenker zum Unfallzeitpunkt gewesen, gibt die Polizei den Medien bekannt. Das hatte schließlich ein Amtsarzt bestätigt - der dem Gericht später fernbleiben sollte. Hat zwar nicht gestimmt, aber wer wird es hier noch so genau nehmen.


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