Der Vogelhändler: There's no business like show business

Kultur | Martin Lampprecht | aus FALTER 06/01 vom 07.02.2001

Andy Warhol als Produzent des "Musikantenstadl"? Regisseur Alexander Schulin und Ausstatter Christian Schmidt haben Carl Zellers Operette "Der Vogelhändler" an der Volksoper in eine kaugummibunte Modellbahnlandschaft mit Siebzigerflair verpackt. Eine munter tirolernde Meute tobt mit ABBA-Frisuren über die Bühne, während sich der arme Adam (Oliver Ringelhahn) mit falschen Bäuerinnen, Kurfürsten und echten Hofschranzen abmüht, um endlich die Christel von der Post (Birgid Steinberger) heiraten zu können.

Operette ist Spektakel, Fasching, Budenzauber, das haben wir ja schon geahnt. Aber nur selten reibt einem eine Inszenierung das so frech unter die Nase. There's no business like show business. Mit deutlich an ein junges Publikum gerichteter Ironie machen sich Schulin, Schmidt und Dirigent Alexander Joel über die schlichte Mär her. Trotzdem wollen sie nichts mutwillig zerbrechen, begehen nicht den Fehler, sich für das Stück zu schämen. Kitsch wird, wo nötig, lächelnd ausgespielt, statt ihn mit schiefem Grinsen zu denunzieren.

Dass die Dörfler und Adligen allesamt zu mehr oder minder arrivierten Kleinbürgern verkommen sind, die sich intrigierend, korrupt und klatschsüchtig gegenüberstehen, macht die Figuren nicht liebenswerter, aber nachvollziehbarer. Schade also, dass die Inszenierung zwischen den bewährten Schlagern immer wieder bemüht auf der Stelle tritt; ärgerlich, wenn sie im Versuch, besonders spaßig zu sein, jede Distanz einbüßt und sich zur dumpfen Blödelei reduziert. Etwas mehr Wiener Charme hätte dieser Ur-Wiener Klassiker auch als Zeitgenosse verdient.

Nächste Aufführungen: 7., 11., 20. und 24.2., 5., 8., 16. und 24.3. Karten: www.volksoper.at oder Tel. 513 15 13.


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