Ein sauberer Schlitz

Literatur. Die amerikanische Erfolgsautorin Joyce Carol Oates schaut mit ihrem Roman "Blond" der Monroe unter den Rock.

Kultur | Klaus Kastberger | aus FALTER 06/01 vom 07.02.2001

Jeder von uns kennt das Phänomen: Es braucht nur jemand nachdrücklich zu fordern, jetzt auf keinen Fall an einen Elefanten zu denken, schon steht uns der Dickhäuter vor dem geistigen Auge. Die amerikanische Erfolgsautorin Joyce Carol Oates greift in ihrem neuen Buch diesen alten Trick auf, auch wenn "Blond" von einem eher dünnhäutigen, von der Autorin auch "Kolibri" genannte Wesen handelt. Ein kurzer Text, der dem Buch vorangestellt ist - in der Art eines Beipackzettels, der zum richtigen Gebrauch eines Medikaments rät -, klärt den Leser darüber auf, dass der Roman "Blond" unbedingt als Roman und keinesfalls als Biografie der Monroe zu lesen sei.

Am Cover ist dann freilich just jene Person zu sehen, an die ich, wenn ich den Beitext von "Blond" ernst nehme, nicht denken soll: Das Gesicht hat die Monroe auf die Hand gestützt, ihr Zeigefinger schiebt die rechte Braue nach oben, ganz so als wäre die Frau ohne dieses kleine Hilfsmittel niemals in eine nachdenkliche Pose gekommen.

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