Standpunkt: Du bist nicht allein

Politik | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Fürchten Sie sich, wenn Sie im Finstern allein nach Hause gehen? Machen Sie einen Bogen um die Kärntner Straße, weil dort Taschendiebe ihr Unwesen treiben? Albträumen Sie, dass Dealer ihren Kindern in der U6 Heroin unterjubeln? Das alles hat jetzt ein Ende: Sie sind nicht allein. Seit Montag streifen mehr Polizisten durch Parks, Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen. Denn die Stadt geht auf Ihre "Sicherheitsbedürfnisse" ein, wie SPÖ-Stadtrat Sepp Rieder vergangene Woche bei einer Pressekonferenz verkündete. Neben Rieder saß der Wiener Polizeipräsident Peter Stiedl, der interessanterweise zugab, dass das subjektive Sicherheitsgefühl mit der objektiven Sicherheit oft nicht allzu viel zu tun hat. Wien ist also eh sicher. Aber viel wichtiger ist, dass sich die Leute auch sicher fühlen. Sechs Wochen vor der Gemeinderatswahl. Sonst laufen sie womöglich noch zur FPÖ. Dabei ist Wien finanziell doch angeblich so was von ausgehungert wegen dieser bösen Bundesregierung, die beim Finanzausgleich ungeheuer gierig war. Deshalb muss die SPÖ-Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann auch beim "Essen auf Rädern" für Pflegebedürftige sparen. Aber keine Angst, Pittermann sagt: "Ich verstehe die Aufregung nicht, bis zur Wiener Wahl wird nichts geändert." Erst danach, dann sind sie halt wieder allein. E.W.


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