Feindliche Übernahme

Wahlkampf. Das Werben um die Stimmen von Immigranten wird heftiger. Die Grünen beschuldigen die SPÖ, grüne Kandidaten aus dem Zuwanderermilieu anzubaggern.

Gerald John | Politik | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Das Angebot war an sich verlockend. "Wir bieten Ihnen einen Listenplatz, auf dem Sie nach der Wahl sicher in den Gemeinderat einziehen werden", flötete die Stimme am anderen Ende Leitung: "Wir suchen politisch interessierte Menschen, die sich für unsere Partei engagieren." Patricio Diaz traute seinen Ohren nicht. Er sei doch gerade erst von den Grünen zum Spitzenkandidaten im Bezirk Simmering gekürt worden, wandte Diaz ein. "Das weiß ich", fuhr der Mann am Telefon mit der Schmeichelei fort: "Aber in der SPÖ werden Sie als Migrant viel bessere Chancen haben, sich zu verwirklichen."

Leute wie Diaz sind in der SPÖ gefragt. Seit die Sozialdemokraten beim Ausländerthema nicht mehr den Kopf in den Sand stecken, wird bei der Erstellung der Wahllisten nicht nur auf die Quote der Frauen, sondern auch auf die der Zuwanderer geachtet. Aber verfügen die Roten überhaupt noch über genügend geeignete Kandidaten aus dem Immigrantenmilieu? Oder sieht sich die Bürgermeisterpartei gar gezwungen,

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