Kollektive Angst vor Kritik

Essay. Aus Anlass der Weiterführung von "Taxi Orange": über das große Schweigen der Medienwissenschaft im Zeitalter der Reality-soaps. Ein Plädoyer für das hierzulande ungeliebte Genre der Medienkritik

Medien | Stefan Weber | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Fernsehen macht krank, blind und blöd - und zwar alle: die, die zuschauen, und die, die es machen." Was der Radiomoderator in dem Film "Late Show" da Böses von sich gibt, das wäre für einen Medienwissenschaftler wohl karrierevernichtend: Als Reaktionär, Altmarxist oder Apokalyptiker wäre er auf Lebzeiten abgestempelt. Warum eigentlich?

In der Kybernetik gibt es ein Prinzip, das "order from noise" heißt, Ordnung durch Störung. In der kreiskausalen Logik bedeutet es, dass ein System sich (auch oder gerade) dann ordnet, wenn es (von außen) gestört wird. Übertragen meint "order from noise": Ein System braucht, um zu prosperieren, seine Feinde. There is no bad advertising. Wer gegen ein Unding anschreibt, der hilft diesem Unding. Verfasse einen Artikel über die Allmacht der Kronen Zeitung, und die Kronen Zeitung wird sich freuen. Schreibe, wie grausam daneben "Big Brother" ist, und "Big Brother" hat die beste Werbung der Welt. Kritik wird immer systemintern instrumentalisiert, so


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