Frieda, bitte melden!

Restitution. Die "Kronen Zeitung" half einer beraubten Jüdin. Leider weiß man nicht einmal in der Chefredaktion, wann und wie genau sich das Blatt so hilfreich zeigte.

Medien | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Ein Leserbrief in der Kronen Zeitung: "Eine mir bekannte jüdische Dame, der ihr Konto nach der Liquidierung des österreichischen Staates durch Hitler ausgeräumt wurde, hatte sich an die Kronen Zeitung gewandt", schreibt Frieda Behrmann aus Wien am Donnerstag in der Rubrik "das freie Wort". "Die Krone hat diesen Fall in die Hand genommen und umgehend erreicht, dass die entsprechende Summe ausgezahlt wurde", lobt die "jüdische Leserin" und fragt sich: "Handeln alle Anwälte unserer jüdischen Organisationen auch nur annähernd so erfolgreich und schnell?"

Unter "Behrmann" findet sich im Wiener Telefonbuch ein einziger Eintrag. Die ältere Dame, die sich unter diesem Anschluß meldet, hat den Brief nicht geschrieben, kennt keine Frieda und glaubt, dass es außer der ihren keine andere Familie dieses Namens in der Stadt gebe. Nur sie und ihre beiden Töchter. Daher hat der Falter Frieda Behrmann bis Redaktionsschluss leider noch nicht erreicht. Das Büro von Krone-Chef Hans Dichand konnte auch nicht eruieren, wann und wie genau sich das Blatt für ein Nazi-Opfer engagierte.

Kleiner Zufall am Rande: Eine der Behrmann-Töchter ist mit dem Mann verheiratet, der die Entschädigung der Arisierungsopfer für Österreich ausgehandelt hat: Sonderbotschafter Ernst Sucharipa. Der kennt auch keine Frieda, meint aber: "Die Kronenzeitung hat sich bei der Restitution sehr vernünftig verhalten. Das hätte viel schlimmer sein können." E.W.


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