Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Noch schlimmer als Skinheads auf der Bühne sind nur noch Skinheads auf der Straße. Erstere sind ein gesellschaftliches Problem, Letztere ein ästhetisches: Wenn als Skinheads verkleidete Jungschauspieler eine Bühne stürmen, wirds schon deshalb meistens peinlich, weil sich physische Gewalt im Theater schwer ungebrochen darstellen lässt. Eine Binsenweisheit, die sich bis ins Volkstheater noch nicht herumgesprochen haben dürfte. Der lächerliche Skin-Auftritt, mit dem "Waikiki-Beach." von Marlene Streeruwitz nach bloß 70 Minuten Spielzeit endet, ist nur eines unter vielen Beispielen für den tollkühn-naiven Zugriff von Michael Kreihsls Inszenierung auf ein Stück, das (wenn überhaupt) weit raffinierter gespielt werden müsste. Das 1992 uraufgeführte Frühwerk konfrontiert ein Boulevardthema (die Gattin des Bürgermeisters und der Chefredakteur der örtlichen Tageszeitung beim pannenreichen Seitensprung) mit Szenen aus der Opern- und Weltliteratur (Shakespeare, "Tosca", Tolstoi),


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