Streifenweise

Kultur | Michael Loebenstein / Michael Omasta | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Ein Pferdegespann zieht, im Galopp, einen Schlitten durch die eisige Kälte Russlands. Jewgenji Onegin, von Weltschmerz und ennui geplagter Nichtsnutz, verlässt das bürgerliche Sankt Petersburg zugunsten einer (nicht minder bürgerlichen) Existenz auf dem Lande. "Onegin" (Regie: Martha Fiennes) ist die in Prosa und prächtige Ausstattung überführte Adaption des berühmten "Romans in Versen" des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin. Onegin, der jugendliche Zyniker und Zauderer, wird in der Version des Fiennes-Clans (Regie, Musik, Drehbuch, Produktion und Titelrolle) vor allem zum Vehikel für seinen Hauptdarsteller: Ralph Fiennes ("The English Patient", "Quiz Show") reduziert ihn auf den tragischen Dandy und raubt der Erzählung damit jene Polyphonie und formale Komplexität, die die Versdichtung so maßgebend machte. Was bleibt, ist eine relativ berechenbare und banale Geschichte, geschmackvoll historisierend in Szene gesetzt. Selbiges darf mit Fug und Recht auch von der Komödie "What Women Want" (Regie: Nancy Meyers) behauptet werden. Allerdings ist die Geschichte des Werbefachmanns Nick Marshall, der a) eine neue Chefin, b) die Krise, c) einen elektrischen Schlag kriegt (und fortan hören kann, was Frauen denken) zudem offensiv blöd: Denn natürlich dreht sich wieder alles nur darum, "was Männer wollen" - und am Ende auch bekommen. Die Hauptrollen spielen Mel Gibson, der nach "Chicken Run" abermals als alternder Gockel zu sehen ist, und Helen Hunt, die erneut als bloße Stichwortgeberin herhalten muss. Ansonsten ein Film, der klingt und aussieht wie der Werbeslogan eines Küchenherstellers aus den Siebzigern: "Bauknecht weiß, was Frauen wünschen."


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