Die Liebe zum Unentschieden

Literatur. Der dritte Roman von Thomas Glavinic heißt "Der Kameramörder" und hat ausnahmsweise nichts mit einem Hobby des jungen Autors zu tun. Ein Porträt.

Kultur | Stefan Ender | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Graz, so circa 1985. Der Schriftsteller Thomas Glavinic, damals erst 13 und natürlich noch nicht Schriftsteller, begibt sich in den Sanitäranlagenbereich seiner pädagogischen Heimstatt, eines Bundesgymnasiums, und erleichtert sich auf eine ganz besondere Art und Weise: Glavinic geht hin, hebt eine Klotür aus ihren Angeln, öffnet das Fenster und schmeißt die Tür aus dem 3. Stock auf die Straße. Zu Schaden gekommen ist damals niemand, außer der Klotür natürlich; dem Klotürschmeißer wurde nahe gelegt, umgehend die Bildungsanstalt zu wechseln, was er dann auch getan hat.

An den Grund für seinen Gewaltakt kann sich Glavinic 15 Jahre später beim besten Willen nicht mehr erinnern. Wut? Langeweile? Spätfolge der in Kindertagen (war nichts anderes da) neunbändig konsumierten "Nesthäkchen"-Reihe? Glavinic grübelt, überlegt, weiß es wirklich nicht. Ganz am Ende des Interviews wird er dann sagen, dass er es für prinzipiell unmöglich hält, menschliche Aktionen und Verhaltensweisen


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