Stadtrand: Brennpunkt 43er

Stadtleben | aus FALTER 07/01 vom 14.02.2001

Wenn Ausländer in ihrer hierzulande beliebtesten Form, nämlich als Touristen (geben ordentlich Geld aus und fahren schnell wieder in ihr eigenes Zuhause), die Stadt erforschen, sehen sie nur die schönen Seiten: Die Prachtbauten der Ringstraße oder all die feine Hochkultur.

Das echte Wien geht meist an ihnen vorüber - außer sie fahren Straßenbahn: z.B. zur Stoßzeit auf der Linie 43. Entlang dieser Bim wohnen wahrscheinlich diverse Turret-Kranke (das ist die bizarre Krankheit, bei der man ständig andere Leute beschimpfen muss) der Stadt.

Unser besonderer Liebling ist eine alte Dame, die sich mit allem und jedem anlegt. Wie kürzlich mit dem netten älteren Herrn, der sie beim Einsteigen mit seinem Gehstock berührt hat. Sie, gleich zum Aufwärmen: "Du blade Sau." Er: "Beruhigen S' Ihnen." Sie, lauter: "Du schiache Sau, dei Oide is a Hur!" Er: "Wir sind nicht per du. Und beleidigen Sie nicht meine Frau." Sie: "Du woame Sau, i hau da in de Goschn." Es folgt ein Handgemenge mitten im vollgestopften 43er. Oma siegt, Opa ergreift die Flucht.

Zwei junge Touristen aus Holland machen große Augen und lachen dann los. Skurril, diese Wiener. Und so urig. Nur die Neostudentin aus Niederösterreich findet das alles gar nicht lustig. "Die Wiener sind einfach arg." Sie wird sich daran gewöhnen. J. O.


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