Vor 20 Jahren im Falter

... veröffentlichten wir einen offenen Brief des Komitees "Selbstbestimmung der Frau" an Bundeskanzler Kreisky, Staatssekretärin Dohnal und Gesundheitsminister Steyrer.

Vorwort | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Seit 1975 ist ein Gesetz in Kraft, das Ihre Partei beschlossen hat. Sie haben den Paragraphen 144 nie restlos gestrichen. Stattdessen habe Sie diesen Klassenparagraphen reformiert. Mit dem Recht auf Abtreibung beschäftigt sich auch weiterhin das bürgerliche Strafgesetz. Die Einzigen, die ständig benachteiligt werden dürfen, sind die Frauen selbst.

Begrenzte Bettenzahl, Pflichtberatungsstellen, hohe Kosten, Dreimonatsfrist, das sind die Hürden, die der freien Entscheidung der Frau nach wie vor in den Weg gestellt sind. Die Dreimonatsfrist dient einzig und allein der Panikmache. Aus Angst, die Frist zu überschreiten, entscheidet sich ein guter Teil der Frauen für den einfacheren, wesentlich teureren, oft auch einzig möglichen Weg zum Privatarzt.

Die Pflichtberatungsstellen katalogisieren die Frauen wie Verbrecherinnen, setzen sie moralisch unter Druck, schüchtern sie ein, verzögern letzten Endes oder verhindern überhaupt, dass Frauen ihr demokratisches Recht wahrnehmen können.

Die Ärzteschaft bereichert sich schamlos an den ungewollt schwangeren Frauen. Die Spitäler ganzer Bundesländer boykottieren - verweisen darauf, dass Spitäler Ländersache sind und Ihr Gesetz zu nichts verpflichtet.

Dieser Sicht der Dinge hat sich mittlerweile auch einer Ihrer Befürworter des Fristenlösungsgesetzes angeschlossen. Seit 1.1.1981 stellt Prim. Rockenschaub an der Semmelweisklinik kein Bett mehr zur Verfügung.

"Schwarz wählen und ins ,Rote Wien' fahren, um abzutreiben, das geht nicht", haben Sie Frau Staatssekretärin Dohnal anlässlich einer Podiumsdiskussion am 13. Juni 1980 erklärt.

Die Misere der Abtreibungssituation in Österreich entspricht der Logik Ihres Fristenlösungsgesetzes.

á Helfen statt Strafen - das bedeutet für uns: á Schwangerschaftsabbruch in allen öffentlichen Spitälern in ganz Österreich, á Abtreibung und Verhütung auf Krankenschein, á Erforschung sicherer und unschädlicher Verhütungsmittel für Frauen und Männer.


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