Hier wohnt Seval

Gemeindebau. Die ersten Ausländerfamilien ziehen in die Gemeindewohnungen für Notfälle. Unbemerkt von den Nachbarn. Mitten im Wahlkampf.

Politik | Eva Weissenberger | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Zwei Sofas zum Ausziehen, einen wackligen Couchtisch, einen Fernseher und Geschirr. Das besitzt die Familie Yesildag. Viel mehr Möbel haben auf 32 Quadratmetern ohnehin nicht Platz. Zimmer, Vorzimmer mit Küche, Dusche und Klo, Kabinett. Die Wände haben Wasserflecken. Die Kabel liegen frei. Die Glastür zum Wohnzimmer hat ein Loch. Ein Fenster im Kinderzimmer fehlt. 3500 Schilling Miete zahlen sie für das Loch in Favoriten. Beschwert haben sie sich nie. "Der Vermieterin ist das egal", sagt Seval, die älteste der drei Töchter, die für ihre Eltern aus dem Türkischen übersetzt. Die 14-Jährige zuckt mit den Schultern: "Die sagt, wir sollen halt renovieren." Dafür fehlt das Geld.

Vater Yesildag kam vor 13 Jahren von Anatolien nach Wien. Der pensionierte Koch leidet an einer Nervenkrankheit und kann nur noch schlecht gehen. Für seinen Rollstuhl ist die Wohnung aber zu klein und verwinkelt. Die Mutter krempelt ihren linken Ärmel hinauf und zeigt zwei große Beulen am Unterarm. Ihre


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