Eine österreichische Geschichte/"Marketing siegt"

Medien | Wolfgang Langenbucher | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Monopole sind in den Medienordnungen vieler Länder trotz aller gegenteiligen Zielvorstellungen notorisch häufig. Dabei ist ihre kommunikationspolitische Bewertung nur scheinbar einfach. Dem Monopol des öffentlichen Rundfunks verdanken wir - vermittelt durch prekäre, komplizierte Konstruktionen - Leistungen für die demokratischen Gesellschaften, die heute mehr denn je als ein seltener Glücksfall der Mediengeschichte erscheinen. Nur - dieser Sachverhalt ist höchst voraussetzungsvoll und unvergleichlich mit Monopolbildungen im Pressemarkt. Im Rundfunk erzwingen die Gesetze den Binnenpluralismus, die Vielfalt in einer Medienorganisation. In der Presse garantiert nur die Vielzahl der Blätter auch die Vielfalt der journalistischen Kulturen - von wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel manchen Tageszeitungen einmal abgesehen. Sonst aber führen Kartell-, Monopol- und Konzernbildungen grundsätzlich zu Verarmung, zur Vereinheitlichung, zur Stromlinienförmigkeit. Dabei ist erfahrungsgemäß noch nicht einmal so sehr die Instrumentalisierung für politische Kampagnen das Problem (nicht überall sind die Hans Dichands an der medialen Macht!), sondern das Verschwinden des individuellen Verlegers. An die Stelle eines publizistischen Ehrgeizes tritt die Herrschaft der smarten Betriebswirte, der journalistisch ungebildeten Controller und der Marketingeuphoriker (manchmal schlüpfen auch Verleger in diese Rolle, wie man an den Fellners leidvoll beobachten musste). Die Prognosen für unseren Magazinmarkt dürften also düster sein. Der Verkauf von profil an einen Verleger wäre ein Hoffnungsschimmer gewesen. So wird zumindest dieses Blatt mutmaßlich bald ruiniert sein: nicht ökonomisch, sondern journalistisch.

Wolfgang R. Langenbucher ist Universitätsprofessor für Publizistik.


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