Presseschau

Medien | Eva Weissenberger | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Der Leitartikel füllt drei Viertel der Titelseite. Nein, nicht der Chefredakteur und auch kein anderer Mitarbeiter der Zeitung hat ihn verfasst. Sondern der Minister für Arbeit und Wirtschaft. Genau in die Mitte hat jemand - ein gelernter Layouter kann es nicht gewesen sein - ein Bild in der Größe von zwei Briefmarken gesetzt. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten. Gibt es die Prawda noch? Ja, aber das war die Sonntagsausgabe der Kronen Zeitung. Untertitel: "Unabhängig." Martin Bartenstein zieht auf 88 Zeilen "Bilanz des Besuchs von Wladimir Putin in Österreich", der "mehr als eine Charme-Offensive" war. Putin hat sich sicher gefreut, als er im Kreml seine liebste Auslandszeitung aufschlug. Ohne Schmäh, er liest - genauso wie der Dalai Lama - regelmäßig die Krone. Das hat das Titelfoto von vor zwei Wochen bewiesen. Große Männer haben eben eine Schwäche für das Kleinformat. Und die Kronen Zeitung hat eine Schwäche für starke Männer. General Lebed wäre der Muthgasse als russischer Präsident ja eigentlich noch lieber gewesen. Nur leider greifen die Kampagnen Hans Dichands in Nowosibirsk nicht ganz so gut wie in Neusiedl.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige