Die Invasion des Ordinären

Film. In Dominik Molls schwarzer Komödie "Harry meint es gut mit dir" wird mit dem Lebenskonzept eines französischen Lehrerehepaares auf grobe Weise aufgeräumt.

Kultur | Maya McKechneay | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Nach dem Orgasmus sollte jeder Mann ein rohes Eigelb schlürfen. Das stärkt die Potenz" - behauptet jedenfalls Harry. Harry meint es gut mit seinem alten Schulfreund und Gastgeber Michel, wenn er ihm zu nachtschlafender Zeit Ratschläge wie diesen mit ins Ehebett gibt. Michel dagegen ist von Harrys vulgärer Art pikiert.

Dominik Molls tragikomischer Psychothriller "Harry meint es gut mit dir" ("Harry, un ami qui vous veut bien"), stülpt das im Kino vielfach verbratene Muster von der Nervensäge, die sich parasitär in einer Familie einnistet, einfach um: Harry Ballistero will nicht schmarotzen - im Gegenteil, um einem Freund zu helfen, geht er über Leichen.

Als Deus ex Machina taucht Harry in einem Raststättenpissoir neben dem Familienvater Michel auf, der nach einer stundenlangen Autofahrt mit quengelnden Kleinkindern völlig geschlaucht ist. Voll Überschwang besteht Harry darauf, den alten Schulfreund, der ihn kaum wiedererkennt, im Konvoi zu dessen Landhaus in die Auvergne zu begleiten.


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