Spielplan

Kultur | C.Fastner / W.Kralicek | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Die Staatsoper wagte sich wieder einmal ins 20. Jahrhundert vor und ging dabei kein Risiko ein. Benjamin Brittens Matrosenoper "Billy Budd" wurde (in der vieraktigen Urfassung) gegeben, "große Oper" also, die keine Traditionen zerschmettern will, sondern - außer Sängerinnen - alles bietet, was zu einem opulenten Musiktheaterabend so gehört: ein Böser, ein Ambivalenter, ein Guter und jede Menge Gelegenheiten zum sängerischen Glänzen. Eric Halfvarson gab einen wirklich widerwärtigen Waffenmeister, der den naiven Billy (Bo Skovhus) zu Unrecht anschwärzt und dafür aus Versehen totgeschlagen wird; blieb dem pflichtbewussten Käpt'n (Neil Shicoff) trotz heftiger Gewissensbisse nur noch die Verfügung der Hinrichtung Billys. Willy Deckers fast schon statische Inszenierung kam niemandem in die Quere, Donald Runnicles unterstützte kräftig aus dem Orchestergraben und so konnten die drei Sängerstars ungehindert wetteifern. Gewonnen hat übrigens Shicoff.

Im Renaissancetheater hat Gerd Leo Kuck, der designierte Intendant von Wuppertal, Robert Schneiders "Komödie vom deutschen Heimweh" inszeniert. Drei Männer und drei Frauen verbringen ein gemeinsames Wochenende an der Ostsee, und wenn sie nicht gerade ihre homo- oder sonstwie sexuellen Neigungen entdecken, reden sie von der Liebe, von Deutschland und von anderen ziemlich komplizierten Dingen: Dorett steht in geistiger Verbindung mit ihrem Nazi-Großvater, Hardy hat ein vermutlich unsägliches Drehbuch geschrieben, und Bach-Fan Steffen (Heinz Weixelbraun, dem man für sein Bühnencomeback Besseres gewünscht hätte) kann nur knapp davon abgehalten werden, eine Fuge zu singen. Alle haben sie Probleme, ihr größtes aber ist, dass sie andauernd Sätze sagen müssen, die so klingen, als hätte Robert Schneider sie vor dem Schlafengehen in sein Tagebuch geschrieben. Gäbe es eine Wahl zum schlechtesten Stück des Jahres, diese bestenfalls unfreiwillige "Komödie" wäre wohl kaum zu schlagen.


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