Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Die Hölle sieht aus wie ein Spätsommertag auf dem Lande: Der Meister fiebert, seine literarische Produktion ist merklich ins Stocken geraten, die Frauen proben zaghaft, aber doch den Aufstand - Ehefrau Helene fängt wieder zu rauchen an, Lebensgefährtin Ruth schüttet sich mit Wodka zu, Tochter Barbara verbrennt seine geliebte Mütze und Liebchen Käthe weigert sich, ihm ein Buch aus der Bibliothek zu holen. Die Rede ist natürlich von Bertolt Brecht, der im August des Jahres 1956 zum letzten Male Abschied von Buckow nahm. "Abschied - Brechts letzter Sommer" von Jan Schütte beschränkt sich auf einen einzigen Tag und einzigen Schauplatz: Während der letzten Stunden, bevor der Dichter seine Zuflucht am Schermützelsee gen Berlin verlässt, brechen sämtliche privaten und politischen Konflikte noch einmal gebündelt hervor. Da hat Brecht, der Patriarch, einige wunderbare Dialogzeilen: "Ich glaube, wir sollten eisern an unserm Entschluss festhalten, uns nicht zu streiten." Weniger überzeugend klingt das Drehbuch immer dann, wenn Politisches verhandelt wird: "Immer die Politik ... Die Politik hat unsere ganze Existenz verfremdet." Einmal ist sogar der Kultusminister persönlich am Apparat, aber man kennt sich trotzdem nicht aus. Brecht und Becher? War da was? Man weiß nicht so recht ... Was bleibt, sind die Schauspieler, und die sind exzellent: Monica Bleibtreu, Elfriede Irrall, Birgit Minichmayr und, allen voran, Josef Bierbichler, der BB eine leise bayerische Note verleiht.

Kurztipp zum Schluss. Anlässlich der Österreich-Premiere ihres Films "Das Haus am Fluss" (1985) werden Regisseur Roland Gräf und Dramaturgin Christel Gräf am 25.2., 17 Uhr, bei der DEFA-Retrospektive "Der geteilte Himmel" im Imperial-Kino erwartet.


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