Nachts sind alle Tauben grau

Literatur. Mit "Austerlitz" erweist sich W.G. Sebald einmal mehr als Klassenbester in melancholischer Vergangenheitsaufarbeitung.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Unter den deutschsprachigen Schriftstellern der Gegenwart nimmt der aus Wertau im Allgäu gebürtige und seit über drei Jahrzehnten in England lebende W.G. Sebald eine besondere Stellung ein. In den Neunzigerjahren hat der heute 56-jährige, in Norwich an der University of East Anglia unterrichtende Literaturwissenschaftler ein essayistisches und literarisches Werk geschaffen, das ihm in relativ kurzer Zeit zu einigem Ruhm verholfen hat; dass dieser im englischsprachigen Ausland noch größer ist als in seinem Geburtsland, hat ihm sicher nicht geschadet. Seine Bücher - "Schwindel. Gefühle" (1990), "Die Ausgewanderten" (1992), "Die Ringe des Saturn" (1995), "Logis in einem Landhaus" (1998) und "Luftkrieg und Literatur" (1999) - haben Sebald den Rang eines allem Modischem entrückten Großschriftstellers erworben, "der vor allem durch seinen Anachronismus geadelt ist", wie Thomas Steinfeld in der FAZ anmerkte. Entsprechend apostrophierte ihn Susan Sontag in einer Rezension der englischen


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