Bordeaux oder Bier?

Literatur. Milan Kunderas "Die Unwissenheit" beweist, dass gewichtige Bücher nicht dick sein müssen.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 08/01 vom 21.02.2001

Seit 1986 schreibt der in Brünn geborene und 1975 nach Frankreich emigrierte Milan Kundera auf Französisch. Damit sind seine Romane Bestandteil der französischen Literatur. Ob er deswegen auch schon ein französischer Schriftsteller ist? In gewisser Weise geht es in "Die Unwissenheit", Kunderas jüngstem Buch, genau um diese Frage.

Der Roman beginnt damit, dass Irena, die seit zwanzig Jahren in Paris lebt und zwei beinahe erwachsene Töchter hat, von den Ereignissen des Jahres 1989 sozusagen überfahren wird. Der Zusammenbruch des Kommunismus drängt sie zurück in die tschechische Heimat; zumindest in den Augen ihrer Freundin Sylvie, die Irenas Beteuerung "Mein Leben ist hier!" nicht gelten lässt: ",Bei euch ist Revolution!' Sie sagte es in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete."

Irena muss damit leben, dass sie sich ihre Heimat nicht aussuchen kann, sondern ihr diese abgesprochen oder zugewiesen wird. Selbst ihr schwedischer Freund Gustaf erblickt in ihr nur die "aus ihrer Heimat


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