Standpunkt: Handeln, Strasser!

Politik | aus FALTER 09/01 vom 28.02.2001

Der Vizepräsident der Polizei spricht bereits von einer "Kriegserklärung". Seine Aufregung ist nachvollziehbar. Tatsächlich haben sich rund hundert Demonstranten bei der Opernballdemo am Rande der Schwerkriminalität bewegt. Die eingesetzten Waffen, "Krähenfüße" und Metallschleudern, können Menschen bleibende Schäden bescheren. Das ist die eine Seite. Die dafür verantwortlichen "Demonstranten", die mit ihren Aktionen auch diefriedliche Demoszene beschädigt haben, sollen sich vor Gericht rechtfertigen. Doch die berechtigte Wut über "Chaoten" darf so manche Aktionen der Wiener Polizei von vergangener Woche nicht zudecken. Innenminister Ernst Strasser ist zum Handeln aufgefordert: Dutzende Augenzeugen, Journalisten und Fotografen berichten von folterähnlichen Szenen. Polizisten haben völlig Unbeteiligte krankenhausreif geprügelt und bei Verhören auf offener Straße in die Hoden geschlagen. Für die Betroffenen gibt es wenig Chance, die Namen solcher meist vermummter Cops zu erfahren. Dienstnummern werden nicht öffentlich getragen. Das ist unerträglich: Eine Polizei, die wie der Innenminister betont, "Hüter der Menschenrechte" sein will, muss gerade in solchen Ausnahmesituationen professioneller agieren und sich vom Mob unterscheiden. Von alleine wird sie das nicht tun. F. K.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige