Michls Maskerade

Porträt. Fiaker und Intellektueller, Rüpel und Wissenschaftler, Fußballnarr und Koch: Wiens Bürgermeister Michael Häupl spielt viele Rollen. Doch welche zeigt den echten Häupl?

Politik | Gerald John | aus FALTER 09/01 vom 28.02.2001

Der Bürgermeister wetzte auf seinem Sessel hin und her, denn die Tischrede der Exzellenz dehnte sich unangenehm in die Länge. So unruhig war Michael Häupl, dass er daraufhin sogar vergaß, die übliche Laudatio auf seine Gastgeberin, die amerikanische Botschafterin Kathrin Hall, zu halten. Während des Festmenüs griff Häupl dann immer wieder zum Handy: "Wie stehts denn?" Nach dem Dessert war er in Windeseile verschwunden. Gefunden hat ihn schließlich seine Frau in einem Kinderzimmer der Residenz: vor einem Fernseher, im Bann einer Partie der Fußball-Weltmeisterschaft.

Michael Häupl, wie ihn die Wiener voraussichtlich wieder zum Bürgermeister wählen werden. Theaterstücke gefallen ihm dann, wenn 25 Akteure mitspielen: 22 Kicker und ein Schiedsrichtertrio. Zu Hause ist er nicht nur am Fußballplatz, sondern auch beim Heurigen. Dort verwirklicht er seine Vision, mit jedem einzelnen Wahlberechtigten persönlich anzustoßen. Als stadtbekannter Grantler beschimpft er Gegner als "mieselsüchtige


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