Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 09/01 vom 28.02.2001

Das wohl beste Stück von Werner Schwab, "Die Präsidentinnen", ist wieder in Wien zu sehen - und Regisseur Rudolf Jusits hat sich im Rabenhof.Theater daraus einen Mordsspaß gemacht. Zwischen Bügeln, Stopfen und heimlich Weinbrandschlucken werden in der himmelblauen Vorstadtstube - im wahrsten Sinne des Wortes - beschissene Frauenschicksale verhandelt, die sich in die allerschönsten Träumereien von Liebe und Glück verwandeln, aber - dafür bürgt Schwab - blutig und schaurig enden werden. Christine Jirku, Mischa Pilss und vor allem Roswitha Soukup (als Mariedl) dabei zu zusehen, wie sie sich immer tiefer in ihre verqueren Fäkalienfantasien versteigen, ist eine echte Freude. Auch wenn manche Übergänge holpern und gerade die letzte Szene ein wenig unmotiviert eingeleitet wird: Die Spiellust der drei Präsidentinnen macht das locker wett. So viel Stimmung war im Rabenhof-Theater lange nicht mehr, Neoimpresario Karl Welunschek kann sich über einen gelungenen Auftakt freuen.

Weniger lustig geht es in der spielbar im Volkstheater zu, wo Stephanie Mohr "Angriffe auf Anne" vom britischen Autor Martin Crimp inszeniert hat. Bei Mohr, einer viel versprechenden Jungregisseurin, die im Volkstheater mit "Messer in Hennen" und "Familiengeschichten. Belgrad" Talent bewiesen hat, ist diesmal etwas schief gegangen. Es gelingt ihr nicht, einen für die Geschichten einer gewissen Anne zu interessieren, die sich die Figuren im Stück ununterbrochen erzählen. Der Text ist, so Crimp, "eine universelle Bestandsaufnahme der heutigen Welt, eine emotionale Reise durch unsere Gegenwart"; die kolportierten Episoden ergeben keinen stringenten Lebenslauf, sind voller Widersprüche und finden zu keiner dramatischen Einheit - gerade die Brüche sind als treibende Kraft im Stück gedacht. Ein derart assoziativer Text braucht eine starke inszenatorische Vision, sonst zerfällt der Abend, wie in der spielbar, in disparate Ungereimtheiten.


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