Standpunkt: Neuinszenierung?

Politik | aus FALTER 10/01 vom 07.03.2001

Die FPÖ ist im Aufwind. Das sehen nicht nur Meinungsforscher so, sondern auch Format-Kommentator Joachim Riedl. Eine "Neuinszenierung der Partei" konstatiert Riedl, und das nicht zum Schlechten: Im Auftreten der Spitzenkandidatin Helene Partik-Pable "lassen sich nicht einmal mit Argusaugen die Spuren der obligaten Hetztiraden entdecken". Es ließen sich mit Argusaugen wohl auch nicht die Spuren Riedls auf FPÖ-Wahlveranstaltungen ausmachen. Denn sonst wüsste er, dass Partik-Pable immer noch Märchen von "30 und 40 Prozent Ausländern im Gemeindebau" oder den "Ausländern, die mit ihren Lebensgewohnheiten ganz Wien prägen", verbreitet. Unterstützt wird sie von Jörg Haider, der seine Klientel mit antisemitischen Ausfällen unterhält, und eifrigen Funktionären, die in Werbefoldern berichten, dass die verantwortlichen Politiker die Wiener Bevölkerung "austauschen" und Ausländer "nur Rechte, aber keine Pflichten haben". Viel Inszenierung, aber wenig Neues. Zugegeben: Partik-Pables Wortwahl ist nicht so dumpf wie jene ihres Vorgängers Hilmar Kabas (was keine Kunst ist). Doch wer bei sensiblen Themen wissentlich mit den ewiggleichen Stereotypien hantiert, kann die "Spuren der obligaten Hetztiraden" nicht verwischen. Das sollte auch ohne Argusaugen zu durchschauen sein. G. J.


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