Der letzte Kaiser

Operette. Das Staatsoberhaupt erstaunt in letzter Zeit mit schrulligen Interviewpraktiken und monarchistischem Gehabe. Warum erinnert Thomas Klestils Öffentlichkeitsarbeit immer öfter an die gute alte Kaiserzeit?

Politik | Eva Weissenberger und Nina Weissensteiner | aus FALTER 10/01 vom 07.03.2001

Der stellvertretende Innenpolitik-Chef der Austria Presse Agentur schaute verdutzt, als ihm ein Hofdiener gleich bei der roten Tapetentür feierlich ein Manuskript überreichte: zehn Fragen samt Antworten, fein säuberlich aufs blütenweiße Papier getippt. Der Journalist hatte sich für das Interview mit dem Bundespräsidenten gut vorbereitet, Termine bei Thomas Klestil sind schließlich rar. Also wollte er sich nicht mit dem Frage-Antwort-Skript begnügen. Zwischen Tapetentür und Angel schoss der Redakteur schnell noch ein paar Fragen zur Rolle des Präsidenten bei den EU-Sanktionen nach. Dem ersten Mann im Staat wiederum behagte dieses wenig devote Benehmen gar nicht - er untersagte der APA daraufhin, seine Zitate zu veröffentlichen. Nur jene Passagen, bei denen das Staatsoberhaupt schriftlich auf die eigenen Fragen selbst geantwortet hatte, gab er frei. Die APA verzichtete dankend.

Als das Branchenblatt Der österreichische Journalist vor kurzem die schrulligen Interviewpraktiken des


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