Kommentar-Klau: Schüssel und der Weihnachtsmann

Politik | aus FALTER 10/01 vom 07.03.2001

Es war ein üblicher "Wende"-Artikel aus der Sicht von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel: "Frei für die Zukunft - Eine Erfolgsbilanz des Unternehmens Österreich". Für Kritik (Falter 7/01) sorgte jedoch der Ort, wo er erschien: In Zur Zeit (ZZ), der Zeitung von Jörg Haiders Berater Andreas Mölzer, wo schon Zeilen wie "Der Mythos der sechs Millionen (ermordeten Juden, Anm.) wurde im größten Schauprozess der Weltgeschichte in Nürnberg institutionalisiert" gedruckt wurden. Doch Schüssel will nie seinen Sanktus zur Veröffentlichung seines Textes gegeben haben. Wie es trotzdem dazu kam: Zur Zeit hatte um ein Kanzler-Interview angesucht, doch Schüssels Pressesprecherin Heidemarie Glück lehnte ab und verwies ZZ-Mittelsmann Herbert Vytiska, ehemals Mitarbeiter von Alois Mock, an den ÖVP-Pressedienst, weil er dort "Unterlagen als Grundlage für eine Bilanz" erhalten könnte. Die Presseleute verwiesen Vytiska auf eine beim Zukunftsforum in Alpbach gehaltene Schüssel-Rede - nach eigener Auskunft ohne zu wissen, dass der Text als Gastkommentar abgedruckt werden sollte. Andreas Mölzer auf die Frage, ob Vytiska bei seiner Anfrage den Verwendungszweck deklariert und sich überhaupt als ZZ-Mitarbeiter ausgegeben habe: "Wir führen keine Gesprächsprotokolle, ob sich ein Mitarbeiter als Weihnachtsmann oder sonstwer ausgibt."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige