Presseschau

Medien | Eva Weissenberger | aus FALTER 10/01 vom 07.03.2001

Voller Name, Alter, Fotos. Dazu die Schlagzeilen: "19jährige ließ 20 Monate altes Söhnchen in der Wohnung verhungern und verdursten: Wegen Mordes verhaftet!" Gute Freundinnen, Gerichtsmediziner, Polizisten kommen zu Wort und zeigen sich "erschüttert": ",Es war ein geplanter, qualvoller Mord.'" Garniert wird die Story mit "Drogen", "Einstiche", "grausam", "absichtlich", und immer wieder "qualvoll". Aber natürlich wird bei keinem Artikel auf den Zusatz vergessen: "Für sie gilt die Unschuldsvermutung". Am Sonntag und Montag war das Mädchen, dessen Baby starb, noch "nach Selbstmordäußerungen in die Psychiatrie" eingeliefert worden. Am Dienstag war sie "herzlos", "kaltblütig", eine "Rabenmutter" (4 Mal) und vergoss "nicht eine einzige Träne um ihr verdurstetes Kind". Aber auch die Krone hat ein Herz und das heißt Marga Swoboda. Gleich unter der Vernichtung mit dem Titel ",Für uns ist sie eine Möderin!'" darf die Schönschreiberin ihre Betrachtungen zum Tag anstellen: "Die junge Mutter, die ihr kleines Kind verdursten ließ, habe keine einzige Träne geweint bei der Vernehmung. Das klingt erschütternd. Aber was sagt es über die junge Mutter aus? Nicht viel."


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