Weiße Leinwand Afrika

Kunst. Seit sich auch der westliche Kunstmarkt für Künstler aus Afrika interessiert, ist ein Kompetenzenstreit zwischen Kunstkuratoren und Ethnologen ausgebrochen. Eine Ausstellung im Museum für Völkerkunde machte die Debatte nun auch in Wien virulent.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 10/01 vom 07.03.2001

Die Zebras von Bwalya kosten öS 4260,-. Billiger, billiger: Das Bild von Aseri Senga aus Lumbumbashi ist schon um öS 1450,- zu haben. Es zeigt die Verhaftung des ersten Präsidenten der unabhängigen Republik Kongo, Lumumba, der wenige Monate nach seinem Amtsantritt 1960 im Auftrag des CIA ermordet wurde.

Mit den Worten "Noch mehr Klischees!" unterbrach ein erboster Vernissagenbesucher die Eröffnungsrede zur Ausstellung "An/sichten, Malerei aus dem Kongo 1990-2000". In einem offenen Brief warf Michael Stadler vom Verein Kulturen in Bewegung der Ausstellungsleitung vor, "neokoloniale Konzepte zu transportieren"; er vermisste "jegliche kritische Rezeption der globalen zeitgenössischen Kunst". Die Barrieren zwischen Gegenwartskunstmuseen und den Museen für Völkerkunde fallen. Seit Jahrzehnten bemüht sich die Fachdisziplin Anthropologie um eine Aufarbeitung ihrer dunklen kolonialistischen Geschichte. Kann sie nun vom gegenwärtigen Boom afrikanischer Gegenwartskunst profitieren, oder


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