Standpunkt: Juden im Fasching

Politik | aus FALTER 11/01 vom 14.03.2001

Es war kein Fasching mehr. Auch wenn es uns Wolfgang Schüssel weismachen will. Jörg Haider hatte mit dem Namen des Präsidenten der Kultusgemeinde am Aschermittwoch seinen antisemitischen Spaß getrieben. Wolfgang Schüssels Versuche, die Aschermittwoch-Rede einmal als "Faschingsrede" kleinzureden, dann wieder als "Spiel mit Namen" zu verurteilen, sind untauglich. Spätestens seit dem Parteitag in Oberlaa ist Beobachtern klar geworden, dass Jörg Haider gezielt antisemitische Ressentiments in seine Reden eingewoben hat. Blaue Mitglieder der Regierung (unter ihnen etwa auch Riess-Passer und Böhmdorfer) haben - laut und herzlich - in der ersten Reihe der Kurhalle aufgelacht. Das Gelächter, das etwa beim Namen "Greenberg" einsetzte, hat einem die Gänsehaut aufsteigen lassen. Und erst die Alternative "Ostküste oder Wienerherz". Die Message ist klar: Die Juden sollen endlich die Goschen halten! Und die ÖVP?Ist es koalitionstaktisch nicht drinnen, diesen Antisemitismus auch als "Antisemitismus" zu brandmarken? Warum ergeht man sich in Attacken gegen Muzicant, der es wagt, die Erfolge der Regierung in der Restitutionsfrage kritisch zu beleuchten. Schüssel stimmt nun in diesen Chor ein. Früher hat man ihm vorgeworfen zu schweigen. Heute ist man froh, hätte er es getan. F. K.


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