Dirty ol' Europe

Film. Philipp Kaufman inszeniert sein De-Sade-Drama "Quills" als biederes Historienspektakel.

Kultur | Maya McKechneay | aus FALTER 11/01 vom 14.03.2001

Eine schmutzige Männerhand streicht über den Nacken einer jungen Frau. Deren Haar ist aufgelöst, das Gesicht feucht von Schweiß und scheinbar lustverzerrt. Erst die Totale klärt uns über diese vorsätzliche Täuschung auf: Die Hand gehört dem Henker und das Gesicht einer von Todesangst gepeinigten Frau kurz vor der Enthauptung durch die Guillotine, die bluttriefend im Vordergrund steht.

Schon die Eingangsszene von Philipp Kaufmans Historiendrama "Quills" macht klar, worum es dem Regisseur geht: Er sucht die körperliche Qualität der Geschichte, das historische Spektakel, die intime Ekstase in der politischen Ekstase.

Schon Kaufmans Kundera-Verfilmung "Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1988) funktionierte nach diesem Rezept. Damals lieferte der Prager Frühling die historische Tapete für das intensive Lieben und Leiden von Juliette Binoche und Daniel Day-Lewis. Diesmal wird die Französische Revolution zum Themenpark, inklusive rollender Köpfe, König Napoleon im Hermelinmantel


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