Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 11/01 vom 14.03.2001

Ein bisserl schaust du aus, sagt Elisabeth zu Christian, "wie der Christopher Lambert", derselbe verträumte "Silberblick". Doch ausnahmsweise ist Christian, nicht Christopher, einmal Star eines Films. Die Rede ist von "Mein Boss bin ich", dem nach "Mama lustig ...?" (1983) und "Muss denken" (1992) dritten "dokumentarischen Spielfilm" von Niki List (Regie) und Christa Polster (Drehbuch), der über Leben und Alltag des jungen, mit Downsyndrom geborenen Mannes erzählt.

Mittlerweile also ist Christian Polster 33. Er lebt in einer integrativen Wohngemeinschaft, ist für sich selbst verantwortlich, hat viele Freunde und sein Leben voll im Griff. Der Film begleitet ihn zu den Proben für eine Tanzperformance mit der Formation Bilderwerfer, beim großartig choreographierten Pas de deux mit Daniel Aschwanden; zum professionellen Foto-Shooting, bei dem er blitzschnell Outfit und Posen wechselt; und schließlich zu einer Drehbuchkonferenz mit Niki List, der seinen Kurzfilm "Heiße Liebe" realisieren soll. (Der Film im Film, die Geschichte einer durchzechten Nacht, zählt mit zum Witzigsten, das List je gedreht hat: Er zeigt Christian und dessen Spezi, Adi Hirschal, mit ihren hübschen Zufallsbekanntschaften, zwei Gangsterbräuten, on the run.) "Mein Boss bin ich" ist ein vergnüglicher, sorgfältig gemachter Film, das seltene Beispiel eines kleinen, familiären Kinos.

Außerdem: Die zweite Woche des "Festivals des frankophonen Films", das einen Überblick über das aktuelle Filmschaffen in Kanada, Burkina Faso, Ägypten, Frankreich, Belgien und der Schweiz vermittelt. Zwei Empfehlungen unter vielen: "Beau travail", die lange erwartete Österreich-Premiere des Meisterwerks von Claire Denis, und die Soiree "12 Kurzfilme gegen Rassismus" (Votiv, So, 20, bzw. Di, 18 Uhr).


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