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Literatur. Mit Witz und Sinn für Dramaturgie erzählt Vladimir Vertlibs jüngster Roman davon, wie die 92-jährige Rosa Masur das 20. Jahrhundert erlebt und erlitten hat.

Kultur | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 11/01 vom 14.03.2001

Zu ihrer 750-Jahr-Feier plant die deutsche Kleinstadt Gigricht ein Buch herauszugeben, das - politisch korrekt - jeweils einen Vertreter der dort lebenden Minderheiten durch "detaillierten Lebenslauf und Beschreibung seiner Lebensumstände in Deutschland" vorstellen soll. Von "5000 Mark für Zeitzeugen" und von "älteren, aus Russland stammenden Personen" ist in dem Zeitungsartikel die Rede, auf den hin sich die 92-jährige Rosa Masur trotz Protests ihrer Verwandten und Freunde meldet. 1907 in der weißrussischen Kleinstadt Witschi nahe Tschernobyl geboren, werden in ihrem Schicksal, wie es Oberbürgermeister Notscher ausdrücklich wünscht, wahrhaftig die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts sichtbar - von den Pogromen ihrer Kindheit über die Zeit der Revolution, den Zweiten Weltkrieg, den sie in Leningrad übersteht, und die Schikanen der Stalinzeit bis zur Übersiedlung in das Land der brennenden Asylantenheime, in dem die studierte Übersetzerin trotz hervorragender Sprachkenntnisse


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