Im Märzen der Bauer

Geburtstag. Am 18. März wird der große Grazer Dramatiker Wolfgang Bauer 60. Am Tag davor wird im Rabenhof sein jüngstes Stück, "Cafe Tamagotchi", uraufgeführt.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 11/01 vom 14.03.2001

Der junge Dichter in der ersten Reihe macht einen ausgesprochen adretten Eindruck. Er ist gekämmt und rasiert, er trägt Anzug und sogar Krawatte. Im Grazer Schauspielhaus haben sie gerade sein Stück "Magic Afternoon" gespielt, das Fernsehen ist da, und der joviale ORF-Redakteur will vom jungen Autor jetzt wissen, was denn der Titel zu bedeuten habe. "Na jo", sagt der junge Dichter etwas schüchtern. "Das heißt magischer Nachmittag."

Das war Ende der Sechzigerjahre. Wolfgang Bauer war noch keine dreißig, und dass er seinen 60. Geburtstag noch erleben würde, hätte er damals nicht gedacht. "40 oder maximal so 57 Jahre" hätte er sich gegeben. "Ich bin also schon über meiner Lebenserwartung", sagt Bauer fröhlich, und es klingt, als wäre er angenehm überrascht über diese Laune der Natur. Vor dreißig Jahren wurde er zwischen Graz und Hamburg als angry young man des Theaters gefeiert, heute wird er respektvoll gewürdigt wie eine lebende Legende. Beides wird ihm nicht wirklich gerecht.


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