Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 11/01 vom 14.03.2001

Eine gedämpfte Klangkulisse von Stimmen, Geräuschen und Tönen empfängt den Betrachter in der Secessions-Ausstellung der vietnamesischen Filmemacherin und Theoretikerin Trinh T. Minh-ha (bis 22.4.). Die Quellen des Sounds finden sich in den Kojen eines schwarzen Zeltes von Adolf Krischanitz: Dort sind fünf Filme zu sehen, die man als experimentelle Dokumentarfilme bezeichnen könnte. Das Doku-Genre sprengt die in den USA lebende Künstlerin jedoch mit einer widerständigen Ästhetik, die unablässig um Fragen von Repräsentation und Identitätskonstruktion kreist. Etwa im Film "Surname Viet Given Name Nam", in dem Frauen im sozialistischen Nordvietnam über Unterdrückungserfahrungen sprechen und sich im zweiten Teil der Pseudo-Doku als in Kalifornien lebende Emigrantinnen entpuppen. Oder in "Reassemblage", einer Studie über das Dorfleben im Senegal, wo Minh-ha durch schnelle Montage und Asynchronizität den Prozess der Bedeutungsgebung sichtbar macht. Stellt sich nur die Frage, ob die Präsentationsform den Effekt des Bruchstückhaften beabsichtigt oder die über acht Stunden Film im Kino nicht doch besser aufgehoben wären.

In der Galerie der Secession baut Axel Stockburger, Jahrgang 1974, eine Skulptur als Joysticks, spielt mit Logos im Internet und der Verschlüsselungssoftware PGP, kurzum: beleuchtet auf recht simple Weise das Konzept von Interaktivität zwischen Mensch und Kiste. Um die Reihe "Junge Szene" kümmern sich in Zukunft wechselnde Kuratorinnen, den Anfang macht Dorit Margreiter. Unter dem Titel "Das Experiment1" zeigen Michael Schmid und Christoph Scholz Fotos ihres selbst gebauten Synthesizers und Videos von Interviews über die wechselhafte Beziehung von Kunst und Pop u.a. mit Wally Salner, Patrick Pulsinger und Anette Baldauf.


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