Rauschen im Pflaumenbaum

Mann & Frau. Zeruya Shalev hat einen großartigen Roman über das abgedroschenste Thema der Welt geschrieben.

Extra | Daniela Strigl | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Archaischer, lapidarer oder, wenn man will, banaler könnte der Titel eines Romans kaum sein: "Mann und Frau", das ist kein wirklich neues Thema, auch nicht für Zeruya Shalev, deren erster auf deutsch erschienener Roman "Liebesleben" davon erzählte, wie eine sexuelle Verwirrung das Leben einer Frau aus den Angeln hebt. Auch in ihrem neuen Buch geht es um die Geschichte einer Ehe, und auch hier findet Shalev für die ewig gleichen zwischenmenschlichen Verwicklungen eine elegante Lösung. Wohlgemerkt, in ästhetischer, nicht in faktischer Hinsicht. Denn die Probleme im Roman werden nicht gelöst, sie werden zwar aufgeschnürt, entwickelt; aber dann verwirrt, verknäuelt sich alles von neuem, weil irgendwer (die Erzählerin?) am falschen Faden gezogen hat.

Der Roman beginnt dort, wo das Leben als Mann und Frau gleichsam seine natürliche Grundlage hat: im Bett. Aber es findet kein biblischer Erkenntnisakt statt, es herrscht morgendlicher Grant. Von Anfang an ist nichts, wie es sein soll,


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