Die Konturen der Dinge

Small American Novel. Vier Jahre nach dem monumentalen Roman "Unterwelt" legt Don DeLillo mit "Körperzeit" ein Meisterstück minimalistischer Beobachtungsprosa vor.

Extra | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Die Zeit scheint zu vergehen. Die Welt geschieht, entrollt sich zu Augenblicken, und du hältst inne, betrachtest eine Spinne in ihrem Netz. Das Licht ist hellwach, die Konturen der Dinge sind wie gestochen, und auf der Bucht liegen funkelnde Bänder. Du weißt besser, wer du bist, am kraftvoll strahlenden Tag nach dem Sturm, wenn noch das kleinste fallende Blatt von Selbstgewissheit durchbohrt ist. In den Kiefern tönt der Wind, die Welt beginnt zu sein, unwiderruflich, und die Spinne reitet auf ihrem windgewiegten Netz."

Pause. Durchatmen. Spätestens hier, nämlich nach den ersten Sätzen von "Körperzeit", sollte man sich als Leser über eines im Klaren sein: Entweder man schaltet auf Ruhepuls und steckt das Telefonkabel aus, oder aber man hetzt im Folgenden durch das Buch und findet nicht einmal einen Bruchteil der darin verborgenen Juwelen. (Dazu sollte man außerdem besser zum Original greifen als zu Frank Heiberts nicht nur in der Eingangspassage seltsam anmutender und auf Dauer


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige